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Ist die Traun zu sauber?

Fliegenfischen an Flüssen, Bächen und Seen....

Moderator: Matthias

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Ulme

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Ist die Traun zu sauber?

Beitrag15.05.2013 15:23

Werte Forengemeinde, bevor ich hier einen Beitrag einstelle, möchte ich
eines vorausschicken: Ich bin kein Fliegenfischer.

Ich interessiere mich dafür, lese in diesem Forum seit Monaten still mit, aber derzeit fische ich "nur" mit herkömmlichen Methoden.

Was mich aber veranlasst hat mich zu registrieren und hier einen Thread aufzumachen, sind Beobachtungen welche ich seit vorigem Jahr und besonders seit dieser Saison mache (Zuvor hatte ich nämlich ein paar Jahre Pause, woran auch das Kraftwerk Lambach eine Teilschuld trägt. In meiner Kindheit [Blaue Karte seit 1984] und Jugend jedoch war ich ständig am Wasser).
Konkret geht es um die Traun in Stadl-Paura und Lambach, welche vom Stift Lambach bewirtschaftet wird.
Anglerisch kenne ich die Revierabschnitte Oberste Traun (1er Wasser, das beginnt bei der Fischgrenze unterhalb des Steyrermühler Wassers) und Untere Traun (2er Wasser, endet bei der Badinsel in Lambach, für jene, welche sich dort auskennen). Weiter unten bis zum Kraftwerk möchte ich ehrlich gesagt nicht, da ist mir zu wenig bewegung im Wasser und zu viel auf den Wegen daneben :)
Gemäß Insiderinformation verfolgte das Stift dieses Jahr eine andere Strategie beim Besatz.
1.) Es wurden vorwiegend Bachforellen gesetzt.
2.) Infolge der immensen Kormoranschäden wurden Forellen erst knapp vor dem Aufgang der Jahreslizenzsaison am 1. April gesetzt, das zweite Mal wurde knapp vor dem 1. Mai nachbesetzt.
Das hatte den Vorteil, dass der Kormoran bis auf ein paar Restexemplare, welche möglicherweise schon Dauergäste sind, bereits weg war und die Forellen weitgehend unbehelligt blieben.

Viele Angler fangen seit dem 1. April/1. Mai recht gut – aber halt Satzforellen. Wer's mag - ich wäre eher auf "altstandige" Fische aus.
Noch Ende der 1980er Jahre war das Wasser massiv mit Schwebstoffen aus der Papierindustrie verunreinigt, die Zellulosefetzen waren schon beim Schnureinholen elend lästig.
Allerdings lebten Myriaden von Bachflohkrebsen, Köcherfliegenlarven, Steinfliegen usw. im Wasser. Beim Waten konnte man gar nicht anders, man musste auf die Köcherfliegenlarven draufsteigen.

Die Därme der Fische waren voll mit diesen Tieren, bzw. hatten die großen Forellen (Bachforellen und Regenbogenforellen von 3 kg oder mehr waren gar nicht selten!) Elritzen, Koppen oder auch Steinbeisser inne. Das Fleisch der Forellen war dunkelrosa, aber nicht vom
Tagger Futter aus den Fischzuchten.

Heute?

Das Wasser ist fast das ganze Jahr über glasklar, Sichttiefen von 3m oder mehr sind möglich, ich weiß das auch vom Kanufahren.

Mit viel Mühe findet man noch zufällig wo eine Koppe unter einem Stein, aber keine einzige Köcherfliegenlarve, keinen Bachflohkrebs!
Steinbeisser? Fehlanzeige! Äschen? Fast alle der Kormoran geholt, zudem zum Glück geschont.
Döbel? Kaum. (Früher eher "lästiger" Beifang bis zu 4kg Gewicht).
Barben? Nur mehr einige alte, große, denn der Kormoran weicht mittlerweile auf diese "Ersatzbeute" aus.
In den Staubereichen gibt es mittlerweile Waller, und die fressen immerhin die Signalkrebse, welche millionenfach über die verbleibende Biomasse herfallen.
Hechte: ja.
Huchen? Ja, die sind da. Und zwar Riesen.
Und die sind ganzjährig geschont. (Ein Kollege von mir hat vor 2 Tagen auf einer Schotterbank ein riesiges Weibchen über einer Schotterbank schwimmen sehen, wohl etwas "verrückt" im Kopf, denn er kam ohne Probleme bis auf einen halben Meter heran. Dabei erkannte er, dass der Fisch im Kopf und Schwanzflossenbereich stark verpilzt war.
Von Tauchern erfuhren wir, dass viele solche Exemplare in den tiefen Bereichen lauern.)

Wovon leben aber nun die Forellen?

Alle heuer von mir entnommenen 6 Forellen (wir essen sehr gerne Fisch) hatten schwarze Masse in Form von Mücken im Darm – sonst nichts.
Auch die 42er Bachforelle.
Beim Fischen fiel mir auf, dass andauernd steigende oder springende Fische zu hören und sehen waren.
Mein Kollege fing eine 43er Bach auf einen 14cm Gummifisch, die hatte Rosenkäfer inne, auch noch nie gesehen und wohl ein Zeichen für den Hunger der Fische.

Gemäß Gespräch mit einem Mitarbeiter der Stiftsverwaltung wird etwa ein Drittel der Besatzfische in den ersten beiden Monaten gefangen, danach ist forellentechnisch zusammengeräumt.

Warum?

Geschätzt ein Drittel wandert gemäß seiner Aussage infolge Nahrungsmangel irgendwohin ab, der Rest fällt den Huchen, Hechten, sonstigen Räubern, dem Gänsesäger und dann wieder dem Kormoran zum Opfer. Im Oktober ist der Fluss bis auf ein paar alte Großfische leer.

Mir erklärt sich die Beißlust auf Forellenteige und auch große Kunstköder neben der Besatzfischthematik mit dem schlichten Hunger der Fische infolge des supersauberen Wassers unterhalb Steyrermühl.

Wer kann mir etwas von der Situation oberhalb Steyrermühl und vom Salzkammergut berichten?
Wie sieht es mit vergleichbaren Flüssen aus?

Mich interessiert das wirklich sehr und ich würde mich über zahlreiche Antworten sehr freuen!

Grüße von der Traun

Ulme
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Matthias

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Beitrag15.05.2013 18:32

Hallo Ulme,

zuerst mal Willkommen in der Runde!

Also deine Beobachtungen werden wahrscheinlich viele Angler teilen.

Als ich im Jahr 2000 zum ersten Mal an der Mur mit der Fliegenrute unterwegs war, konnte ich nicht fassen, wieviele Äschen im Fluss waren. Heute und ein paar Kraftwerke später nur noch ein trauriger Restbestand, der von Kormoran & Co weiter dezimiert wird.

Wenn man im Sommer abends über die Autobahnmurbrücke bei Deutschfeistritz gefahren ist, hast du nachher die Windschutzscheibe reinigen müssen. Diese war mit Steinfliegen übersät. Heute kannst du mit polierter Scheibe durchfahren als wäre nichts gewesen......

Es gibt sicher einen Zusammenhang zwischen der Menge der vorhandenen Insekten und dem Fischbestand, da kann dir aber Clemens alias "Wasserratz" den wissenschaftlichen Background liefern.

Grüße

Matthias
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Wasserratz

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Beitrag15.05.2013 22:06

Hallo Ulme,

danke für die umfangreich geschilderten Beobachtungen!

Ich bin mir recht sicher, dass die Traun auch mit sanierter Güte den aus weiteren Gründen leider miserablen Restbestand an Fischen durchaus ausreichend ernähren könnte. Dass die fangfähig besetzten Fische wenige Wochen nach Besatz kaum Nahrung im Magen haben würde ich weniger mit der zurückgegangenen Nahrungsbasis erklären als damit, dass diese Fische einfach wenig kompetent im Nahrungserwerb sind. Ist auch an anderen, sehr nahrungsreichen Flüssen zu beobachten dass Besatzfische in den ersten Wochen nichts oder nur Gatsch und Zigarettenstummel im Magen haben. Fakt ist trotzdem dass etwa das Insektenaufkommen an der Traun massiv zurückgegangen ist.

Wird wohl sein dass ein Übermaß an Nährstoffen in den 1980ern andere Defizite in einem gewissen Maß ausgleichen konnte, z.B. Mangel an Laichplätzen, Jungfischlebensräumen etc. Auch an der Mur wars zu Zeiten schlechter Güte so - die Fische konnten in den Zubringern immer noch ausreichend reproduzieren und fanden in einem späteren Altersstadium im Hauptfluss bei Güte III oder sogar noch schlechter ein "Nahrungsparadies" vor. Die Mur war kalt genug sodass keine Probleme mit Sauerstoffzehrung auftraten.

Die meisten Fachkollegen meinen, dass bei verringerter Nahrungsbasis weniger die Dichte als Fischen, als deren Wachstum und Biomasse zurückgeht. Nachdem schlechter abwachsende Fische auch weniger und/oder später im Leben Eier produzieren wird meiner Meinung nach damit mittelbar auch die Eizahl und Fischdichte zurückgehen. An der Traun ist auch die Fischdichte mies.

Die schlechte Situation an der Traun lässt sich nicht einfach durch einen Faktor herleiten, es ist wohl eine Kombination aus
- Prädation durch fischfressende Vögel
- laufende Verschlechterung des Lebensraums (Alterungsprozesse der Staue - nach einer kurzen "Blütezeit" nach Einstau gehts bergab; Geschiebedefizit, Eintiefung und Verlust von Flachwasserzonen und Laichplätzen, Errichtung oder energiewirtschaftliche Optimierung von Kraftwerksanlagen etc.)
- Besatz mit ungeeignetem Material, Austausch gut angepaßter Wildfische durch domestizierte, schlecht an das Leben im Fluß angepaßte Zuchtfische
- Fischkrankheiten wie Phänomen schwarze Bachforelle (weiss jetzt nicht ob das auch stromab des Traunsees beobachtet wurde)
- warme Sommer ("Klimaerwärmung")
- möglicherweise Umweltgifte
- und schließlich eben verringerte Nahrungsbasis
..

Welcher Faktor in welchem Ausmaß Schuld an der Misere trägt .. darüber könnte man lange diskutieren ..

Clemens
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Ulme

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Beitrag16.05.2013 10:15

Herzlichen Dank für das freundliche Willkommen und die befriedigenden Antworten!

Clemens, zu deinen Ausführungen möchte ich in ein paar Punkten Stellung nehmen, des weiteren hätte ich da noch ein paar Fragen.

a) Prädation durch Vögel, vorwiegend Kormoran.
Ich bin auch Jäger und beobachte sehr genau.
Was sich die letzten Winter an der oberen Traun (bedeutet in meinem Falle von Stadl-Paura aufwärts bis zum Traunfall) im wahrsten Sinne des Wortes abgespielt hat, spottet jeder Beschreibung.
Schwärme von 15 bis 70 Vögeln, welche binnen nur einer Stunde stromaufwärts flogen (und somit eine Doppelzählung unwahrscheinlich ist) sind Regel, nicht Ausnahme.
Ein Freund aus Deutschland, welcher sehr viel Zeit am Wasser verbringt, berichtete mir jüngst dass er wegen des Kormorans eine Verhaltensänderung bei den Fischen feststellen kann.
Einst verschwiegene Geheimtipps und schwer befisch- und begehbare Stellen sind weitgehend fischleer, während in Zonen, welche Fische aufgrund von Beunruhigung durch den Menschen einst mieden, wieder Fische da sind.
Das könnte mit ein Grund sein, warum in der an sich fischfreundlichen aber sehr schwer zugänglichen oberen Traun weniger gefangen wird als in den unteren Bereichen, wo schon die Besiedlung bis an die Ufer reicht.

b) Alterungsprozess der Staubereiche. Das mit der anfänglichen Blütezeit ist wohl wahr. Als das von mir stets abgelehnte Kraftwerk Lambach in Betrieb ging, war noch immer Leben im Fluss.
Nun ist der Grund des Stausees verschlammt und veralgt.
Daran können auch die "zufälligen" Absenkungen bei Hochwasser, ergo Stauraumspülungen nichts ändern.
Man darf mehr als gespannt sein, wie sich die Situation mit Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks Stadl-Paura verändern wird. Hier wurde erstmals ein Riesenaufwand in die Begleitmaßnahmen rundherum investiert. So wird es neben einem Borstenfischpass auch einen äußerst großzügig angelegten Fischaufstieg quer durch die Hitiag Insel geben, welcher - so sieht es zumindest derezeit aus - auch adulten Huchen das Wandern erlauben sollte. bislang ging man scheinbar davon aus, dass die kapitalen Huchen ausschließlich Besatzfische sind, welche es von oben "heruntergespült" hat. Doch dazu später.
c) ungeeignetes Besatzmaterial. Meine Rede. Es ist jämmerlich anzusehen, wenn man Anfang und Mitte Mai Regenbogenforellen mit verkümmerten (weil abgestoßenen oder abgefressenen) Flossen, und mit fallweise nur halb vorhandenen Kiemendeckeln an der Leine hat.
mauldeformationen sieht man ebenfall nicht selten.
Was es mit den Bachforellen auf sich hat, welche äußerst hell gefärbt sind und nur rudimentär rote Punkte haben, kannst mir du vielleicht besser erklären. Schlechtes Genmaterial? Anderer Stamm? Jedenfalls sahen die Bachforellen in meiner Kindheit und Jugend anders aus...
Ad schwarze Bachforellen: Dies konnte ich persönlich noch nicht beobachten!
d) zu deinem Aufsatz über Huchen auf deiner Seite: Es war 1984, als ich nach notabene abgelegter Fischerunterweisung (weil ich das damals nötige dritte Lizenzbücherl nicht mehr finden konnte :wink: ) an einem 6. Mai im "Tageswasser" an der Traun in Stadl-Paura fischte. Neben mir fing einer den ich damals als alt bezeichnet hätte neben echten Regenbogenforellen auch zwei "Regenbogen", welche keine waren. Etwa 40cm lang, drehrunder Körper, dunkler gefärbt, größere Fettflosse, weinrote Unterseite. Klassiker halt. Und ehe ich mich versah auch schon abgeschlagen. Beim zweiten Fisch wagte ich es ihm zu sagen dass dies keine Regenbogen, sondern ein junger Huchen sei. Seine Antwort gebe ich hier nicht wieder. Jungfischer war noch das geringere Übel.
Und wieder abgeschlagen.
Was ich damit sagen möchte: könnten das damals noch natürliche Reproduktionen von Huchen gewesen sein? Seit wann gibt es Besatzmaßnahmen mit Huchen in der Traun?
Selbst als ich 1992 beim Schnorcheln eindeutig Huchen sah, wurde ich noch milde belächelt!
e) Alle von mir diese Jahr gefangenen Forellen wiesen einen leichten bis mittleren Befall an Egeln auf. Ich spreche von 10 bis 15mm langen Egeln, dunkelbraun bis schwarz, welche sich bevorzugt an den Flossen und auch im Maulinneren befanden. hat dies etwas zu sagen? jedenfalls habe ich das zuvor nie beobachten können!
Danke für deine/eure Geduld.

Ulme
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Wasserratz

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Beitrag16.05.2013 10:37

Hallo Ulme,

spannende Beobachtungen.

ganz kurze Stellungnahme zu zwei Punkten:

- Wenn eine besetzte Bachforelle Flossen hat, sagt das im Umkehrschluss noch in keiner Weise, dass sie geeigent ist. In der Regel sind es hochgezüchtete Stämme, die durch Zuchtauslese für die Forellenwirtschaft optimiert sind, aber in freier Wildbahn kaum eine Chance haben - auch ihre Nachkommen nich, falls sie überhaupt ablaichen.

- der Huchenfang Anfang der 1980er ist interessant. Entweder die Huchen sind in der Traun doch nie vollständig ausgestorben; es könnten aber auch z.B. Teichflüchtlinge sein, etwa vom Köttl über die Vöckla und Ager in die Traun. Weiss nicht ob Köttl in den 1980ern schon Huchen hatte.

C.
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Ulme

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Beitrag16.05.2013 11:38

Und wie verhält es sich mit diesen sehr hellen, schwach gepunkteten Bachforellen? Anderes Genom? "Hybriden"?
Anbei eine Bild vom 11. Mai solch eines Exemplars.
Ich fing am 1. Mai eine zwar gut maßige Bach, welche den 8er Schonhaken am äußersten Rand in der Maulspalte hatte.
Die war so "wie früher".
Gesund, kampfstark, dunkelgrüner Rücken, dunkelgelber Bauch, wunderbare schwarz gesprenkelt und und die zahlreichen roten Tupfen von sattem Weiß umrandet.
Ich habe sie umgehend noch unter Wasser abgehakt.

http://www.bilder-hochladen.net/files/9 ... 2-jpg.html[/img]
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Wasserratz

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Beitrag16.05.2013 12:54

Schaut wie eine Seeforelle aus.
Es werden - z.B. von den Freunden der Gmundner Traun - Seeforellen besetzt. Freilich nicht der alte Traunstamm, sondern vermutlich ein Stamm aus einem bayerischen See von ihrem Fischzüchter.


C.
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Ulme

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Beitrag16.05.2013 14:01

Leider ist das Foto nur vom Handy - sie hatte schon einige rote Punkte, allerdings nicht so farbintensiv und die weißen Umrandungen nur erahnbar. Blaustich war keiner dabei.
Mein Spezi aus Deutschland (nördlichstes Bayern) meint, bei ihnen sehen alle Bachforellen so aus.
Aber das hat mir nun keine Ruhe gelassen und ich hatte gerade ein langes Telefonat.
Ich weiß nun woher die Besatzfische im Falle Stift Lambach kommen, dass seitens Lambach keine Seeforellen gesetzt wurden, dass das über 5 Jahre getätigte Näslingprogramm gescheitert ist, dass von den markierten Forellen auch kaum welche gefangen wurden, dass von der insgesamt besetzten Menge an Traun und Ager 2012 nur 17% als Ausfang rückgemeldet wurden, und dass die Kormoranproblematik mehr auf OÖ Landesebene scheitert, denn an der angeblich stets bösen EU. Das Vogelschutzhabitat (Natura 2000) im oberen Trauntal ist demnach nur gut für die Vögel und schlecht für die Fische, denn es wäre auch möglich gewesen ein Naturschutzgebiet daraus zu machen. Allerdings wäre es dann dem Kormoran und der massiven Gänsesägerpopulation zu Gunsten von einigen ganzjährig geschützen Fischen (u.a. Perlfisch) zumindest teilweise an den Kragen gegangen.
Mehr möchte ich hier an dieser Stelle öffentlich nicht schreiben, aber seitens EU gäbe es gemäß meines Telefonkontakts in besonderen Anlassfällen durchaus die Möglichkeit, im Falle Kormoran einzugreifen.
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koppenkitzler

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Beitrag16.05.2013 21:09

Das ist eine Seeforelle,wie ich sie voriges Jahr auch in der GT gefangen habe(Besatzfische)


Im Übrigen kann man von Euch Einiges lernen,wenn man diesen Beitrag liest....
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bonnieandclyde

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Beitrag23.05.2013 08:45

Hallo Ulme!

Ich bin soeben auf dein "angezetteltes" Thema gestoßen und muss sagen: Du sprichst mir aus der Seele!

Ich habe selbst jahrelang - durchgehend v. 1992-2005 die Traun vorrangig im Rev 2 befischt und war eigentlich durchgehend bis zum Kraftwerksbau zufrieden, bzw. konnte immer das ganze jahr über gute Fänge verzeichnen. Angefangen von Forellen, Äschen (in Massen und Größen von denen man heute nur noch träumen kann 50++) und Hechten plus den diversesten Begleitfischen wie Barschen, Rotaugen, Rotfedern, Aiteln, Barben,... gabs eigentlich alles was das Fischerherz begehrt.
Top-Köder damals: Köcherfliegenlarven!

So, und im laufe der Jahre setzten nach und nach die Veränderungen ein, welche das Gewässer zwar sicherer, für Fische jedoch uninteressanter machten.

Begonnen hat das ganze mit der Sanierung der Wehrtümpel-Wehr.

Die nächste "Verschlechterung" kam mit der Zerstörung und dem Wiederaufbau der alten Binderwehr.

Tja, und der Kraftwerksbau gab dem ganzen den Rest.

Sicher, wie oben geschrieben, kam es zu einer kurzen "Blüte" im Wasser, was meiner Meinung aber eher daran lag, dass sich durch den Stau die Fische plötzlich anders bewegten und an den diversesten Stellen sammelten (extremes Hechtaufkommen unterhalb der Staumauer im ersten Jahr) und somit wesentlich leichter zu suchen und fangen waren. Denn gerade das Rev. 3+4 waren ehemals schwer zu befischen, und boten den Tieren auch ausreichend Unterschlupf.

Momentane Situation, soweit ich als (jetzt) außenstehender beurteilen kann ist die, dass es so gut wie keine Reproduktion im Wasser gibt. Von den ehemals regelrecht in Schwärmen auftretenden Äschen ist nichts übrig. Forellen nur bei Besatz, Barsche: Miniexemplare, Barben vereinzelt...so könnte man das ganze weiterführen, und ich finde es Traurig, dass ein ehemals derart interessantes Gewässer einfach so von der Bildfläche verschwand.
Damals konnte man noch in Stadl Paura von der Traunbrücke sehen und Hechte bei der Jagd verfolgen, kapitale Barsche zwischen den Steinen lauern sehen, Forellen und Äschen an der Strömungskante beobachten, Tja, es war einmal....
Doch ein Hoffnungsschimmer bleibt: Durch den Wegfall des Werkskanales und Umleitung über den ehemaligen Wehrtümpel wird die Strömungsgeschwindigkeit wenigstens im oberen bereich erhöht und eine weitere Verschlammung etwas eingedämmt. Traumhaft wäre, wenn in diesem Bereich dann wieder unsere Äschen und Forellen wieder ablaichen würden. Damals war ja auch gerade dieser Zug von Laichgruben übersäht.

Zum durchgeführten Besatz ist zu erwähnen, dass dieser von der Qualität schon immer so war, und wohl auch so bleiben wird. Damals wie heute werden die Gewässer (und dabei bilden Ager und Alm keine Ausnahme) mit fangfähigen Fischen zu den jeweiligen Jahreszeiten vollgestopft um den fischenden Gast ruhig zu stellen. Die erlaubten Ausfangmängen sind somit nur in dieser Zeit möglich und wollen von fast jedem erreicht werden. Meiner Meinung nach funktioniert es aber nicht bei, ich glaube momentan 50 Stk erlaubten Forellis irgendeinen Bestand im Wasser aufzubauen. Noch schneller gehts in den Schesternflüssen Ager und vor allem Alm.

Zu den Egeln: Die gabs eigentlich schon immer und sind meist in der Übergangszeit (Juni herum) aufgetreten.

Hoffen wir also das Beste!

Mfg
Stefan
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Ulme

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Beitrag23.05.2013 09:31

Danke für deinen historisch-nostalgischen Beitrag und deine aktuellen Beobachtungen!
Ich war am Pfingstmontag noch einmal fischen und habe mich diesmal eher an der rechten Uferseite orientiert.
Dabei sah ich mir auch das nun unmittelbar vor dem Probebetrieb stehende neue Kraftwerk Stadl-Paura genauer an und ich muss sagen dass das Ausmaß der Erdbewegungen, Betonierarbeiten und der Granitverbauungen alles in den Schatten stellt was ich mir gedacht hätte.
Du als Ortskenner musst dir nur mal die Ausmaße die Ausleitung des "Mitteltaba" (Schongebiet) ansehen, nebst dem auf der rechten Seite hochführenden Borstenfischpass. Gigantisch. Leider wurde die Hälfte des Auwalds auf der Hitiag Insel gerodet, aber der Fischaufstieg durch die Insel ist nicht von schlechten Eltern.
Der Restwasseranteil, der der ehemaligen Binderwehr zur Einspeisung des Leierbachastes zur Verfügung steht, wird leider kläglich sein.
Dennoch wurden im Leierbach zahlreiche Eintiefungen und Schotterbänke gemacht, welche neben dem Fischaufstieg auch Rückszugsgebiet und Laichmöglichkeiten für Fische bieten soll. Nur dass dort halt keine Strömung mehr ist.
Die Frage die sich stellt, ist jedoch: was laicht denn noch, bzw. noch viel mehr: was bleibt denn von der natürlichen Reproduktion übrig?
Wir haben vom heurigen Februar/März gesicherte Berichte von laichenden Huchen in der Ager, Höhe Fischerau. Am Ufer sah ich Jungbrut knapp nach dem Dottersackstadium nebst ein paar Elritzenschwärmen.
Und beim Fischen am Montag sah ich vor allem auf der Lambacher Seite, unmittelbar nachdem die Ager einmündet (du erinnerst dich sicher an den "Spitz" aus Granitblöcken gegenüber der "Scheib'n" beim Fitnessparcours) in der starken Strömung zahlreich starke Fische aufgehen. Ich nehme an dass es sich um "altstandige" Forellen handelt, denen die überhängenden Bäume und Steine viell. Schutz vor dem gefiederten schwarzen Tod bieten.
Aber ich konnte heuer noch keine einzige altstandige Forelle haken, abgesehen von der umstrittenen 41er Bach-oder Seeforelle, aber was ist das im Vergleich zu früher? 2kg Forellen und noch deutlich darüber waren nicht selten.

Auch habe ich erfahren dass es ein Programm mit Näslingen gab, welches gescheitert ist. Keine einzige wurde rückgefangen und gemeldet. Ich glaube nicht dass diese allesamt den Huchen zum Opfer fielen.

Auf Hecht ging übrigens gar nichts am Montag, habe den halben Tag intensiv mit Wobbler gearbeitet. Eine 32cm Bachforelle auf einen 13cm Wobbler, sowie dann beim Abrollen zwei wieder releaste Forellen, eine Bach und eine Regenbogen. Allesamt eingesetzt.

Doch ein Hoffnungsschimmer bleibt: Durch den Wegfall des Werkskanales und Umleitung über den ehemaligen Wehrtümpel wird die Strömungsgeschwindigkeit wenigstens im oberen Bereich erhöht und eine weitere Verschlammung etwas eingedämmt.


Was hier oft vergessen oder vielleicht nicht gewusst wird: der eigentlich sterile, weil mit Betonplatten trapezförmig ausgelegte Werkskanal war, trotz fehlender Versteckmöglichkeiten und ohne Kiesgrund, ein Rückzugsgebiet für die Äsche. Die haben sich darin reproduziert, wie das Abfischen zeigte, bevor er zugeschüttet wurde. Auch zahlreiche Aale waren darin.
Dieser schnell fließende und tiefe Werkskanal bot den Fischen mitten zwischen den Häusern Schutz, und der Kormoran konnte auch wegen der hohen Strömungsgeschwindigkeit nicht fischen! Nun ist er Geschichte, aber vielleicht komme ndie Äschen ja mit der kiesigen und schnell strömenden Ausleitung des Mitteltaba zurecht! Wollen wir's hoffen!
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bonnieandclyde

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Beitrag23.05.2013 10:07

Hallo Ulme!

uuups, jetzt wo du´s sagst und bei erneutem Durchlesen sehe ich auch, dass es eher ein Rückblick als eine Beantwortung deiner Frage war...aber man wird ja noch träumen dürfen :cry:

Ich denke auch, dass das neue KW, soweit man davon sprechen kann, sehr gut umgesetzt wurde. Man wird eben abwarten müssen um zu sehen, wie sich das ganze entwickelt.

Dass jedoch im Binderwehr/Steinwurf Bereich irgendein Fisch dauerhaft ablaichen wird bezweifle ich...bereits jetzt ist der Boden tw. verschlammt und durch die geringen Bewegungen wird sich die Situation nicht verbessern, aber auch hier: man wird sehen.

Auch ich fahre jeden Tag über die Taun und sehe ab und an Fische beim steigen, dass das Wasser leer ist habe ich auch nicht behauptet, "nur" dass von dem ehemals reichen Fischbestand wenig bis nichts übrig ist. Ob es sich bei den steigenden Tieren die du beobachtet hast um Forellen oder Aitel handelte, werden wir hier nicht klären können. Von der "Altstandigkeit" mal ganz abgesehen.

Dass der ehem. Werkskanal ein Rückzuggebiet war, weiß ich aus diversen beobachteten e-Abfischungen, bei denen doch immer erhebliche Mengen an Fisch zu Tage kamen.

Ob nun die Traun zu sauber ist oder nicht lässt sich jedoch glaube ich nicht beantworten. Die Traun war bereits zu meiner Zeit sehr sauber und es gab unmengen an Köcherfliegen - 5 min gesammelt, den ganzen Tag gefischt. Wie Clemens bereits geschrieben hat, spielen hier sicher einige Faktoren zusammen, die Veringerung der Strömungsgeschwindigkeit ist jedoch mit Sicherheit einer der Hauptfaktoren (zumindest eben im unteren Bereich).

MfG
Stefan
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Ulme

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Beitrag23.05.2013 11:08

Die Aitel, welche ich in der Traun früher fing, und jene, welche ich heute ab und an sehe, haben eines gemeinsam: sie standen/schwammen stets in ruhigeren Zonen oder im tieferen ruhigem Wasser oder dösten faul unter dem Blattwerk.
In der härtesten Strömung an der Außenkurve, noch dazu wo die Ager am Montag gut (braun) Wasser hatte, vermute ich sie nicht, aber ich lerne gerne dazu.

http://www.bilder-hochladen.net/files/9 ... %5D%5B/url

Darüber hinaus hatte ich zum Wiederholten Male den Wunsch, es mit der Fliegengerte zu versuchen! :wink:

Es ist schön hier einen weiteren Ortsansässigen zu wissen!

Sobald das Kraftwerk St.-P. im Betrieb ist und der abgesenkte Pegel der 1er Strecke wieder normal ist, werde ich mich ins Canoe setzen und mal sehen was oben noch so geht.

Und: ich habe beobachtet, dass entlang der ehemaligen Binderwehr eine Eintiefung und in der kurve eine Schüttung zu Gunsten höherer Strömungsgeschwindigkeit gemacht wurde.
Deshalb bin ich neugierig, ob die 1er Strecke wirklich wie versprochen wieder so fließen wird wie früher, oder eben schneller.
Und wieviel Restwasser dann wirklich für das Mitteltaba bleibt.
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bonnieandclyde

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Beitrag24.05.2013 09:48

hi!

Ja, du hast natürlich recht, dass sich Aitel hauptsächlich in den ruhigen Gewässerzonen aufhalten, allerdings konnte ich in der Ager weiter oberhalb (Attnang) bereits einige von denen an Stellen fangen und beobachten, an denen ich nie mit ihnen gerechnet hätte.
Außerdem bilden sich an den angeströmten Ufern zT Bereiche in welchen es zu Anstauungen und somit ruhigeren Zonen kommt. Also ideal für jedliche Art von Fisch: Strömung transportiert schnell Futter herbei in eine selbst relativ ruhige Zone.
Aber ohne die Fische tatsächlich zu sehen, ist natürlich nur schwer zu beurteilen um was es sich handelt.
Aber egal um was es sich handelt: raus mit der Trockenen!

Wär nett wenn du von deinen Kanufahrten etwas berichten würdest!

Übrigens: gestern wurde angeblich ein toter Huchen beim Kraftwerk angespült...

lg
Stefan
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Ulme

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Beitrag24.05.2013 10:41

bonnieandclyde hat geschrieben:hi!

Übrigens: gestern wurde angeblich ein toter Huchen beim Kraftwerk angespült...

lg


Nicht nur angeblich. Es war ein Großhuchen, einer der beiden, welche kürzlich mit merkwürdigem Verhalten auffielen.
Einen sah ein Arbeitskollege von mir mehrfach mit starkem Pilzbefall am Kopf und auf der Schwanzflosse über einer (für ihn zu) flachen Kiesbank schwimmen, er kam ihm auf einen halebn Meter nahe, der andere stand schon eine Weile vor dem Rechen des Kraftwerks, sichtlich apathisch.
Beide Fische werden/wurden auf > 1,20m geschätzt.

Ad Kanu: oö Yukon halt. Traun vom Traunfall bis St.-P.
vielfach fahr' ich stromaufwärts.
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